
Projektüberblick
GESTALT ist ein evidenzbasiertes Bewegungsprogramm für ältere Menschen, das körperliche, geistige und soziale Aktivierung miteinander verbindet. Das Programm richtet sich besonders an Menschen ab 60 Jahren, die bisher wenig Zugang zu Bewegung hatten oder von sozialer Isolation, Pflegeverantwortung oder erhöhtem Demenzrisiko betroffen sind. „GESTALT Get-SET“ wird über Mittel der gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen des GKV-Bündnisses für Gesundheit in Bayern finanziert. Kommunen werden dabei nicht nur bei der Durchführung des Kursprogramms unterstützt, sondern auch beim Aufbau tragfähiger Strukturen vor Ort – etwa durch lokale Koordination, die Qualifizierung von Übungsleitungen, die Vernetzung mit Vereinen, sozialen Einrichtungen und kommunalen Stellen sowie die Anbindung an bestehende Bewegungs- und Teilhabeangebote. Das Kursangebot ist damit ein zentraler Baustein, soll aber zugleich Ausgangspunkt für dauerhafte kommunale Präventionsarbeit sein.
Kommunale Prävention
Zentrale Erkenntnisse
- Projektlogik: Evidenzbasiertes Bewegungsprogramm mit körperlicher, geistiger und sozialer Aktivierung, das Kommunen beim Aufbau nachhaltiger Präventionsstrukturen begleitet. Mittlerweile wird das fünfte Anschlussprojekt gefördert (GESTALT Get-SET, aus Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen des GKV-Bündnisses für Gesundheit in Bayern).
- Zielgruppe: Menschen ab 60 Jahren mit wenig Bewegungserfahrung und erhöhtem Demenzrisiko; Fokus auf bislang schwer erreichbare Gruppen, z. B. Männer im ländlichen Raum, Menschen mit Behinderung, pflegende Angehörige.
- Zentrale Bausteine: 20 Kurseinheiten à 90 Minuten, Bewegungsberatung, partizipative Gestaltung der letzten Einheiten, Exkursionen zu Anschlussangeboten und Gruppenbindung.
- Umsetzung & Steuerung: FAU Erlangen-Nürnberg begleitet Kommunen von Politikfeldanalyse und Bedarfserhebung bis Schulung lokaler Koordination und Qualifizierung von Übungsleitungen.
- Wirkung & Verstetigung: Schwerpunkt auf Prozess-, Struktur- und Anschlussfähigkeit; rund 60 % der teilnehmenden Kommunen konnten das Programm nach Projektlaufzeit verstetigen.
Unser Ziel ist es nicht, dass wir GESTALT dauerhaft zentral finanzieren. Sondern dass die Kommune das übernimmt, wenn sie sieht: Das funktioniert – das passt hierhin.
Prof. Dr. Heiko Ziemainz,
Interview vom 21.03.2025
Erfolgsfaktoren
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Klare Zuständigkeiten vor Ort.
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Frühzeitige Einbindung kommunaler Akteur:innen (Verwaltung, Politik, Vereine, Organisationen und Zielgruppenvertretungen).
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Motivierte lokale Koordinationspersonen.
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Schulungsmaterialien und persönliche Begleitung.
Stolpersteine
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Erreichbarkeit vulnerabler Gruppen (insb. wenig aktive oder sozial isolierte Ältere im ländlichen Raum).
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Geringe Teilnahmezahlen in einzelnen Kommunen.
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Abhängigkeit von einzelnen „Kümmerern“.
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Ungeklärte Finanzierung nach Projektende (Gesundheitsförderung kommunal häufig freiwillige Aufgabe, langfristige Finanzierung fehlt).
Lessons Learned
Key Take-Aways für andere Kommunen
- Verstetigung muss ab Tag eins mitgeplant werden.
- Lokale Koordination ist der Dreh- und Angelpunkt.
- Politischer Rückhalt entscheidet über Ressourcen und Regelstruktur.
- Anschlussangebote vermeiden, dass Prävention nach dem Kurs endet.
Finanzierung, lokale Verankerung & Verstetigung
GESTALT wird durch die FAU Erlangen-Nürnberg wissenschaftlich begleitet und zentral koordiniert. Aktuell wird das Projekt GESTALT Get-SET umgesetzt. Die Förderung erfolgt mit Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen des GKV-Bündnisses für Gesundheit in Bayern (https://gkv-buendnis.de/buendnisaktivitaeten/wir_in_den_laendern/wir_in_den_laendern.html).
Die teilnehmenden Kommunen erhalten u. a. finanzielle und inhaltliche Unterstützung für eine Stelle zur kommunalen Projektkoordination, für die Qualifizierung von Übungsleitungen sowie für Reisekosten zu Vernetzungstreffen und Schulungen.
Ein zentrales Element zur Verstetigung ist die frühzeitige Einbindung kommunaler Strukturen: Gesundheitsämter, Seniorenbüros oder Stadtteilkoordination übernehmen die Koordination und Integration der GESTALT-Kurse in bestehende Angebote. Je nach lokaler Ausgangslage ist auch die Kooperation mit Volkshochschulen, Sportvereinen oder Trägern der Altenhilfe vorgesehen. Ziel ist es, dass die Angebote dauerhaft in kommunale Regelstrukturen überführt werden.
In ca. 60 % der teilnehmenden Kommunen wurde das Programm nach Projektlaufzeit erfolgreich verstetigt – z. B. durch Integration in Seniorenarbeit oder Gesundheitsregionen. Erfolgsfaktor sind meist engagierte lokale Koordinator:innen mit politischem Rückhalt.
Politischer Appell & strukturelle Empfehlungen
Die Erfahrungen mit GESTALT machen deutlich: Es braucht dringend strukturierte, nationale Fördermechanismen, um kommunale Prävention und Gesundheitsförderung nicht nur projektweise, sondern langfristig und verlässlich zu ermöglichen. Die Finanzierung über das Projektende hinaus bleibt vielerorts ungelöst – obwohl kommunale Akteur:innen bereit wären, bestehende Strukturen weiterzuführen. Der GESTALT Ansatz weist eine hohe Übertragbarkeit in andere Regionen auf. Da allerdings Gesundheitsförderung in den Kommunen eine freiwillige Aufgabe darstellt, sind für eine bundesweite Skalierung andere Rahmenbedingungen und langfristige Finanzierungsmöglichkeiten erforderlich.



