Projektüberblick
Das Förderprogramm „Gesund in Berlin – Stadtteile im Blick“ zeigt, wie Programmförderung und sozialraumbezogene Bedarfsermittlung zusammenwirken können, um Gesundheitsförderung in Quartieren mit erhöhtem Präventions- und Unterstützungsbedarf umzusetzen. Finanziert wird GiB über Mittel der gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen des Präventionsgesetzes in Kooperation mit mehreren Berliner Senatsverwaltungen. Geförderte Projekte laufen in der Regel drei Jahre mit Budgets zwischen 40.000 und 160.000 Euro. Im Beispielprojekt „Bewegung für Ältere rund um die Heerstraße“ wurden niedrigschwellige Bewegungsangebote für ältere Menschen im Quartier partizipativ entwickelt und durch lokale Einrichtungen verankert. Das Beispiel macht deutlich, dass Förderprogramme dann wirksam werden, wenn sie lokale Expertise nutzen, Träger fachlich begleiten und Verstetigung von Beginn an mitdenken.
Kommunale Prävention
Zentrale Erkenntnisse
- Projektlogik: Sozialraumorientiertes Förderprogramm (seit 2021) für vulnerable Zielgruppen in belasteten Berliner Quartieren (33 Projekte in den Handlungsfeldern Bewegung, Gesundheitskompetenz, Ernährung, Entspannung, psychische Gesundheit und Stressbewältigung für ältere und alte Menschen umgesetzt); das Beispielprojekt „Bewegung für Ältere rund um die Heerstraße“ macht Bewegung für Ältere vor Ort niedrigschwellig zugänglich.
- Zielgruppe: Ältere Menschen in sozial benachteiligten Stadtteilen, besonders mit Mobilitätseinschränkungen, chronischen Erkrankungen, geringem Einkommen oder fehlender familiärer Anbindung.
- Zentrale Bausteine: Kostenfreie, wohnortnahe Angebote wie Spaziergänge, Qi Gong, Tai Chi, Sitz-Yoga, Sturzprophylaxe; Qualifizierung von Kiez-Übungsleiter:innen (bwgt e.V.).
- Umsetzung & Steuerung: Projektideen entstehen in bezirklichen Fachrunden; Umsetzung durch lokale Träger mit Quartiersmanagement, Stadtteilkoordination und Einrichtungen vor Ort.
- Wirkung & Verstetigung: Unabhängige Programmevaluation 2024; qualitative Rückmeldungen zeigen soziale Einbindung, Wohlbefinden, Bewegungsroutine und Alltagsstruktur als zentrale Effekte.

Wir können nur für einen begrenzten Zeitraum fördern. Entscheidend ist deshalb, dass es vor Ort Strukturen gibt, an die ein Projekt andocken kann. Wenn diese fehlen, beginnen wir zunächst damit, eine solche Struktur aufzubauen – sonst greifen Maßnahmen ins Leere.
Boris Metz,
Gesundheit Berlin-Brandenburg e. V., Interview vom 01.09.2025
Erfolgsfaktoren
- Andocken an bestehende lokale Strukturen.
- Gründliche Bestandsaufnahme und Bedarfsklärung.
- Kontinuierliche Rückkopplung und Lernschleifen (Feedbackgespräche, Fachrunden).
- Erfahrene Träger mit Zielgruppenkompetenz (innovative Ideen alleine reichen nicht).
Stolpersteine
- Fehlende lokale Verankerung (Maßnahmen ohne Anschluss an bestehende Strukturen funktionieren gerade bei vulnerablen Zielgruppen schlechter).
- Mangelnde Nachfrage oder Passung einzelner Formate.
- Befristete Projektförderung erschwert Verstetigung.
- Begrenzte Ressourcen und Räume erschweren langfriste Verankerung.
Lessons Learned
Key Take-Aways für andere Kommunen
- Förderung muss lokale Expertise aktivieren, nicht ersetzen.
- Fachrunden helfen, Bedarfe und Trägerauswahl sozialraumgenau zu machen.
- Verlässliche Übungsleitungen sind für ältere Zielgruppen wichtiger als offene Angebotslogik.
- Nicht funktionierende Formate konsequent anpassen oder beenden.



