Projektüberblick
Die Projektfamilie MoKo-Fit und behERZt zeigt, wie motorisch-kognitive Bewegungsangebote von der Stadt in den ländlichen Raum übertragen werden können. Während MoKo-Fit in Chemnitz quartiersnahe Bewegungsförderung für ältere Menschen erprobte und ausweitete (finanziert aus Mitteln des Freistaats Sachsen, Förderrichtlinie „Demografie“), untersucht behERZt die Übertragbarkeit in strukturschwache Gemeinden des Erzgebirgskreises (gefördert im Rahmen des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung durch das BMLEH). Im Mittelpunkt stehen kostenfreie, wohnortnahe Gruppenangebote, die körperliche, kognitive und soziale Gesundheit fördern. Die Projekte zeigen, dass Bewegungsförderung besonders dann gelingt, wenn lokale Schlüsselpersonen, Gemeinden, Übungsleitungen und Mentor:innen früh eingebunden werden.
Kommunale Prävention
Zentrale Erkenntnisse
- Projektlogik: Motorisch-kognitives Bewegungsprogramm im Freien (MoKo-Fit 1.0 und 2.0), das von Chemnitz auf strukturschwache ländliche Gemeinden im Erzgebirgskreis übertragen wird (behERZt).
- Zielgruppe: Menschen ab 65 Jahren, besonders mobilitätseingeschränkte, alleinlebende und sozial wenig eingebundene Ältere in Stadtteilen oder Gemeinden mit geringer Angebotsdichte.
- Zentrale Bausteine: Wohnortnahe, leicht zugängliche und kostenfreie Bewegungsangebote - insbesondere in Stadtteilen oder Regionen mit geringer Angebotsdichte, sozialer Benachteiligung oder eingeschränkten Zugangswegen; 16-wöchige Gruppenphase, zweimal wöchentlich; Kombination aus Kraft, Ausdauer, Koordination, Gleichgewicht, Gedächtnis und Aufmerksamkeit; anschließende Weiterführung durch Bewegungsmentor:innen.
- Umsetzung & Steuerung: Sozialstrukturdaten, lokale Abstimmung, Bürgerplattformen bzw. Bürgermeister:innen/Seniorenvertretungen; persönliche Ansprache an Alltagsorten und über vertraute Netzwerke.
- Wirkung & Verstetigung: Wissenschaftliche Begleitung durch TU Chemnitz; messbare Verbesserungen u. a. in neurokognitiven Funktionen und alltagsrelevanter körperlicher Leistungsfähigkeit; Verstetigung über Mentor:innen und Kommunen geplant.
Ich würde künftig versuchen, Ärztinnen und Ärzte stärker einzubeziehen. Gerade in der älteren Zielgruppe genießen sie viel Vertrauen und Respekt und könnten eine wichtige Brücke zu den Bewegungsangeboten sein.
Katharina Zwingmann,
TU Chemnitz, Interview vom 05.08.2025
Erfolgsfaktoren
- Lokale Schlüsselpersonen und Bewegungsmentor:innen – prägt Gruppenklima, Bindung und langfristige Tragfähigkeit.
- Persönliche Ansprache über vertraute Orte und Netzwerke, z.B. Seniorenclubs, Apotheken, Kirchgemeinden.
- Niedrigschwellige Gestaltung von wohnortnahen Angeboten.
- Wissenschaftliche Begleitung und iteratives Lernen aus Modellregionen, z.B. zu Rekrutierungsstrategien und Kooperationsansätzen.
Stolpersteine
- Schwer erreichbare Zielgruppen in abgelegenen Regionen & bürokratische Hürden.
- Amtsblätter und digitale Kanäle reichen nicht aus.
- Aufwändige Suche nach geeigneten Übungsleiter:innen.
Lessons Learned
Key Take-Aways für andere Kommunen
- Raus aus der Halle: Nutzung von Außenräumen senkt Zugangshürden.
- Mentor:innen aus der Gruppe schaffen Identifikation und Kontinuität.
- Persönliche Ansprache ist im ländlichen Raum entscheidender als Amtsblatt oder digitaler Kanal.
- Bürokratische Hürden wie Sportfreigaben können Prävention ausbremsen.



